Was ist Multiple Sklerose ??
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine ursächlich noch nicht geklärte, sehr unterschiedlich verlaufende chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der es an verschiedenen Stellen im Gehirn, an den Sehnerven und im Rückenmark zu entzündlichen Veränderungen vorwiegend der so genannten weißen Substanz mit narbiger Rückbildung kommt. Eine MS beginnt meist im frühen Erwachsenenalter und betrifft Menschen aller Rassen, dabei Frauen häufiger als Männer.
Ausmaß und Schwere der Krankheitszeichen schwanken sowohl von Mensch zu Mensch als auch bei jedem Betroffenen im Verlauf erheblich.
Unter anderem können Sehstörungen, Taubheits- und Krippelgefühle oder Lähmungen auftreten, die sich zu meist zu Beginn fast immer vollständig zurückbilden. Im Verlauf klagen viele Betroffene unter anderem auch über eine vermehrte Müdigkeit, Blasenstörung oder sexuelle Störung.
Am Gehirn, Rückenmark und an den Sehnerven kommt es zu besonderen feingeweblichen Veränderungen mit zahlreichen (=multiplen), entzündlichen und sich Später narbig zurückbildenden, veränderten Härden (= Sklerose). Früher wurde deshalb auch von einer
<> Enzephalomyelitis disseminata << oder kurz >> E.d. << bzw. >>ED<<. das wortende>>...itis<< sollwie bei anderen krankheiten ( zum beispiel bronchitis, gastritis ) ausdrücken, das es sich um eine entzündung handelt.
Einige wichtige Merkmale der Multiplen Sklerose
Die MS betrifft das Zentralnervensystem ( ZNS )
Die Veränderungen treten an mehreren Stellen des Nervensystems auf
Es kommt zu entzündlichen Herden mit narbiger Abheilung
Der Krankheitsbeginn ist am häufigsten im frühen Erwachsenenalter
Die Beschwerden entwickeln sich weitgehend unvorhersehbar
Neben Krankheits - Schüben sind langsam zunehmende Störung möglich
Bislang kann keine Untersuchungsmethode eine MS absolut zweifelsfrei nachweisen oder ausschließen
Die Ursache ist bislang unbekannt
Eine Heilung ist bislang nicht möglich
Es gibt keine Möglichkeit einer Vorbeugung
Die MS hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Lebenserwartung
Die Diagnose
Die Diagnose dieser vielgestaltigen Krankheit ist relativ schwierig. Sie erfordert eine gründliche Anamnese ( Erhebung der Krankengeschichte ) und eine intensive Untersuchung, die in der Facharztpraxis oder in der Klinik durchgeführt werden. Mitunter kann es auch für einen erfahrenen Facharzt (Neurologen ) sehr schwierig sein, die Krankheitszeichen im Frühstadium einzuordnen. Die Kombination der Untersuchung durch die Kernspintomographie ( Erfassung der Magnetfelder der Zellen und Umsetzung dieser Felder in ein Computerbild ), genaue Methoden zur Analyse des Liquors ( Rückenmarksflüssigkeit ) und die Messung evozierter Potentiale ( Veränderungen im elektrischen Feld der Messungen der Nervenaktivität ) mit den körperlichen Befunden macht es in den meisten Fällen möglich, die Diagnose bereits in einem sehr frühen Stadium zu erstellen.
- Untersuchung des Sehnervs = Schachbrettmusteruntersuchung
Kernspintomographie = MRT oder NMR Sie ist anderen Verfahren an Sensitivität ( Genauigkeit ) überlegen und wird auch zur Verlaufskontrolle herangezogen. Anstelle von Röntgenstrahlen werden hier Magnetfelder verwan
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Analyse des Liquors Bestimmte Eiweißkörper weisen auf eine besondere Form der Entzündung im ZNS hin.
Lumbalpunktion
Verlaufsformen der MS
Es gibt kein festliegendes Schema für MS. Jeder MS-Kranke bietet ein besonderes Symptombild ( eigenständiges Krankheitsbild ) und somit ist der Verlauf einer MS von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.
Die Verlaufsformen werden relativ grob wie folgt eingeteilt:
die schubförmig remittierende Form ( ca. 30% ) die akuten Schübe bilden sich bis zur Symptomlosigkeit zurück, im weiteren Verlauf bleiben nach der Remission ( Rückbildung der Einschränkungen ) eines akuten Schubes meist Restbehinderungen zurück
- die progrediente Form mit 2 Ausprägungen:
- die sekundär chronisch progrediente Form ( ca. 55% ) bei länger bestehender Krankheit treten häufig keine abgrenzbaren Schübe mehr auf, oder diese werden nicht mehr wahrgenommen. Es finden jedoch auch kaum Verbesserungen statt.
In diesem Stadium der Erkrankung verschlechtert sich der Zustand des Patienten schleichend
- die primär chronisch progrediente Form ( ca. 15% ) bei dieser Form schreitet die Behinderung von Anfang an ohne Schübe und anschließenden Verbesserungen fort.
Die typische Schubfrequenz ist ein Schub ( ein betroffener Mensch weiß meistens erst wenn "ER" vorbei ist, daß es einer war ) pro Jahr oder ein Schub alle zwei Jahre.
Während eines Schubs sind betroffen:
- Sehfähigkeit
- Empfindung
- Koordination
- Kraft
- Harnblasenkontrolle
- Sprechfähigkeit
- Kognitive Fähigkeiten ( Einschätzung der Lebensumstände )
Daraus ergeben sich folgende typische Symptome:
Sehstörungen mit verschwommenem Sehen oder mit Doppelbildern Koordinationsstörungen mit Gleichgewichtsstörungen, Schwindelanfällen, Ungeschicklichkeit der Gliedmaßen Ataxie ( Gangunsicherheit ) durch Spastizität ( unkontrollierte Bewegungen ) oder Muskelsteifheit, Tremor ( Nervenzittern ), Parästhesie ( Empfindungsstörungen wie Taubheit ), Kribbeln, Brennen an einer Körperstelle und Hitzeempfindlichkeit Gesichtsschmerzen durch eine Trigeminusneuralgie ( Gesichtsnerv-Entzündung ) Sprechstörungen wie undeutliche Aussprache, langsames Sprechen und andere Atemrhythmen beim Sprechen, Mattigkeit bis hin zur lähmenden generellen Müdigkeit, die sehr plötzlich auftreten kann. Blasen- und Darmstörungen wie häufiger Harndrang und unvollständige Entleerung der Blase, Verstopfung oder Verlust der willkürlichen Kontrolle im Bereich der Sexualität können Impotenz, verminderte Erregung und Empfindungsausfälle auftreten Die kognitiven Störungen beeinträchtigen das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit .
Ist Multiple Sklerose ansteckend ?
Nein, eine MS ist nicht ansteckend. Aus der immer wieder geäußerten Vermutung, dass Vieren an MS - Erkrankungen beteiligt sein könnten und auch der allgemeinen Einordnung der MS als entzündliche Erkrankung wird die zunächst verständliche Sorge abgeleitet,man könne sich möglicherweise bei einem Kranken anstecken. Für diese Befürchtung gibt es jedoch keinerlei Anhaltspunkte.
Wenn überhaupt Vieren oder andere Erreger bei der MS - Entstehung eine Rolle spielen, dann sicherlich nicht so, dass die Betroffenen diese zum Zeitpunkt ihre Erkrankung ausschneiden oder auf andere Menschen übertragen können. Es ist allenfals denkbar, dass bei der MS eine viele Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung abgelaufene Infektion ein Glied in einer langen Kette von Krankheitsursachen ist. Um welche Erreger es sich dabei handeln könnte, ist bis heute ohnehin völlig unklar. Es spricht jedoch vieles dafür, dass sämtliche derzeit bekannten Erreger die ansteckende Erkrankungen hervorrufen, für die Entstehung der MS nicht infrage kommen. So ist es nicht gelungen, eine überzufällige Häufung der MS nach Kontakten mit irgendeinen Bakterium, Virus oder anderen Krankheitserregern zu belegen. Allerdings können Infektionen eine Rolle bei der Auslösung von Krankheitsschüben spielen.
Ganz offensichtlich geht auch ein langjäriger und intensiver Umgang mit MS - Kranken nicht mit einem erhöhtem Erkrankungsrisiko einher.
Dies zeigt sich beispielsweise bei Ärzten und Pflegepersonal neurologischer Kliniken oder auch an der Tatsache, dass nur wenige Einzelfälle bekannt sind, wo zuvor gesunde Ehepartner ebenfalls eine MS entwickelt haben. Aus all dem folgt, dass keinerlei Grund zur Besorgnis besteht, mit einem an MS Erkrankten wie mit jedem anderen Menschen umzugehen. Demnach brauchen sich auch Eltern keine Sorgen zu machen, wenn sich ihre Kinder bei einer Familie aufhalten, in der jemand eine MS hat.